Ausbau der Belttrasse – Eine Zusammenfassung

Die Versiegelung des Radwanderwegs am Petroleumhafen ist beschlossen

Seit dem 12.08.2026 ist das Planfeststellungsverfahren von Seiten der Bahn abgeschlossen. Die Umgehungsstraße zur Teerhofinsel wird gebaut und der letzte naturnahe Bereich zur Trave wird verschwinden. Vorraussichtlich beginnen die Bauarbeiten 2027. Im folgenden wird das Vorhaben übersichtlich zusammengefasst.

Für die Schienenhinterlandanbindung im Bereich von Lübeck bis Bad Schwartau (Planfeststellungsabschnitt Lübeck und Planfeststellungsabschnitt 1.1 Bad Schwartau) lässt sich auf Basis der vorliegenden Projektdokumente folgender detaillierter Bau- und Zeitplan rekonstruieren.

Da das Gesamtprojekt durch Verzögerungen bei der Erlangung von Baurecht und der Planung der Sundquerung zeitlich neu geordnet werden musste, ist eine vollständige Inbetriebnahme der deutschen Hinterlandanbindung erst für Ende 2032 vorgesehen.


1. Geografischer Umfang und technische Kernmaßnahmen

Der betrachtete Bereich teilt sich in zwei aneinandergrenzende Planungsabschnitte:

  • Planfeststellungsabschnitt (PFA) Lübeck (ca. 8 km): Erstreckt sich von der Eisenbahnüberführung Travekanal, vorbei am Lübecker Hauptbahnhof bis zur Teerhofinsel an der Grenze zu Bad Schwartau. Die Strecke wird im Bestand angepasst. Zu den Kernmaßnahmen gehören:
    • Erneuerung und Neubau von Gleisen, Weichen sowie Überhol- und Puffergleisen (insbesondere im Bahnhof Lübeck Süd).
    • Vollständige Elektrifizierung und signaltechnische Ausrüstung.
    • Neubau eines Schaltpostens im Bereich der Elisabethstraße.
    • Neubau einer Innenreinigungsanlage für Züge (zwei Abstellgleise nahe dem Hauptbahnhof).
  • PFA 1.1 Bad Schwartau: Schließt direkt an den Lübecker Abschnitt an. Aufgrund der engen städtebaulichen Verhältnisse ist hier eine bis zu 3,20 Meter tiefe Troglösung im Bahnhofsbereich geplant.

2. Umgehungsstraßen und Ersatz-Infrastruktur

Um die Sicherheit zu erhöhen und Verkehrsströme zu entflechten, werden im Lübecker Stadtgebiet niveaugleiche Bahnübergänge zurückgebaut:

  • Die Zufahrt zur Teerhofinsel wird durch eine neue Straßenverbindung gelöst, die über die Schienen führt: die Straßenüberführung (SÜ) Mühlenbach.
  • Wie die Zufahrt gesichert wird: Anstatt wie bisher den Schienenweg niveaugleich (also direkt über die Gleise) am Bahnübergang „Zur Teerhofinsel“ zu queren, wird der Verkehr künftig über diese neu gebaute Brücke kreuzungsfrei über die Bahngleise geführt.
  • Planerische Einordnung: Aus Sicht der Planer wird dieses Bauvorhaben als neue Straßenverkehrsanlage und Brücke eingestuft. Es handelt sich also nicht um eine klassische „Umgehungsstraße“ (die um einen Ort herumführt), sondern um eine neue Überführungsstraße als direkten Ersatz, um die lokale Verkehrsbeziehung zur Teerhofinsel dauerhaft und sicher aufrechtzuerhalten.

3. Schallschutz- und Erschütterungsmaßnahmen

Da die Ausbaustrecke künftig stark durch schweren internationalen Güterverkehr belastet wird, wurden weitreichende Lärmschutzmaßnahmen integriert:

  • Lärmschutzwände: Im Lübecker Stadtgebiet entstehen ca. 14 Kilometer Lärmschutzwände mit einer Höhe von bis zu sechs Metern.
  • Bürgerbeteiligung zur Gestaltung: Da Lübeck als UNESCO-Welterbestadt besonderen Denkmalschutzauflagen unterliegt, stimmten ca. 630 Bürger im Jahr 2023 über die optische Gestaltung (Farbtöne und Materialien) in vier ausgewählten Stadtbereichen ab. Die Ergebnisse wurden am 9. Oktober 2023 im Bauausschuss vorgestellt.
  • Übergesetzlicher Lärmschutz: Durch den Bundestagsbeschluss von 2020 stehen 232 Millionen Euro für zusätzlichen, über das gesetzliche Maß hinausgehenden Lärmschutz bereit. Davon fließen allein 50 Millionen Euro in das Lübecker Stadtgebiet (unter anderem zum Schutz von Lübeck-Moisling).
  • Aktiver Erschütterungsschutz: Zum Einsatz kommen hochentwickelte, erschütterungsmindernde Technologien wie besohlte Schwellen zur mechanischen Entkopplung sowie das Verfahren „Besonders überwachtes Gleis“ (regelmäßiges Schleifen zur Minimierung der Fahrgeräusche).

4. Der Bau-Fahrplan: Meilensteine und Genehmigungsphasen

Der Bau wird im Rahmen des innovativen „Partnerschaftsmodells Schiene“ (Bahnallianz Lübeck-Lensahn) abgewickelt. Hier arbeiten die DB InfraGO AG, Generalplaner (Ramboll, Obermeyer, Arcadis) und Bauunternehmen (u.a. Züblin und Strabag für den konstruktiven Ingenieurbau) von Anfang an zusammen.

Chronologischer Ablauf der Arbeiten und Verfahrensschritte:

  • April & Juli 2025 (Abgeschlossen): Durchführung flächendeckender, hochpräziser Drohnenvermessungsflüge im gesamten Trassenraum südlich des Lübecker Hauptbahnhofs bis nach Lübeck-Moisling.
  • Januar 2025 (Abgeschlossen): Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) führt den formalen Erörterungstermin für den PFA Lübeck durch. Der Planfeststellungsbeschluss befindet sich in der finalen städtischen und behördlichen Abwägung.
  • Juni & Juli 2026 (Abgeschlossen): Formale Planauslegung für den hochkomplizierten Abschnitt Bad Schwartau (PFA 1.1) vom 11. Juni bis 10. Juli 2026; Einwendungsfrist endete am 24. Juli 2026.
  • August 2026 (Laufend): Beginn der konstruktiven Hauptarbeiten am Lübecker Güterbahnhof für den dortigen Versorgungstunnel. Bis zum 24. August 2026 finden unter Gleissperrungen teils lärmintensive Ramm- und Spundwandarbeiten sowie der Einbau einer Hilfsbrücke statt.
  • Frühjahr 2027: Planmäßige Fertigstellung des Versorgungstunnels am Lübecker Güterbahnhof (danach Arbeiten ohne weitere Sperrzeiten oder nächtlichen Baulärm).
  • 2028: Durchführung der Generalsanierung des Korridors Hamburg–Lübeck (durch die DB von 2027 auf 2028 verschoben, um eine engere Verzahnung mit den Zulaufstrecken des Fehmarnbelt-Projekts zu erreichen).
  • 2029 bis Ende 2032: Während der dänische Tunnel bereits 2029 fertiggestellt wird, verbleibt die deutsche Hinterlandanbindung in der Bauphase.
  • Ende 2032: Vollständige Inbetriebnahme der elektrifizierten, zweigleisigen Neubaustrecke inklusive des neuen Schienenwegs von Lübeck bis Puttgarden sowie des Fehmarnsundtunnels. Erst ab diesem Zeitpunkt wird auch der schwere Güterverkehr vollständig von der alten Küstenstrecke auf die neue Trasse umgeleitet.

Hinweis zur Bäderbahn: Die historische eingleisige Bäderbahn zwischen Lübeck und Neustadt bleibt im Besitz der DB und wird bis zur Inbetriebnahme der Neubaustrecke unverändert betrieben. Sie wird über eine neue Weiche bei Ratekau an die Neubaustrecke angebunden.

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